Was ist ein Ungläubiger?


Frage: "Was ist ein Ungläubiger?"

Antwort:
Das Wort infidel bedeutet einfach „ohne Glaube” oder „gegen Glaube“. Ein Ungläubiger ist eine Person, die Religion ablehnt. Der Ausdruck infidel wurde aber durch die Webseite bekannt, die den christlichen Glauben angreift – infidels.org. Internet-Ungläubige, die auch unter dem Namen Secular Web (weltliches Web) laufen, ist eine der Hauptseiten für Atheisten und Naturalisten im Internet. Ihr angegebenes Ziel ist die naturalistische Weltanschauung im Internet zu fördern. Der christliche Apologist J.P. Holding sagte: „Das Secular Web hat ein paar intelligente Menschen, war aber alles in allem ein Zufluchtsort für jeden skeptischen Allwissenden, um Meinungen über Themen kundzutun, die nicht in ihrer Expertise liegen.“

Der Sinn dieses Artikels ist nicht, einen umfassenden Gegenbeweis für jedes Thema, welches die Internet Infidels-Gruppe aufgreift, zu liefern. Der Sinn ist hingegen, nur ein paar der Vielzahl von Fehlerhaftigkeiten hinter der Internet-Webseite aufzuzeigen

Was ist ein Ungläubiger (infidel)? – Abstreiten der Existenz von Jesus

Unter den Behauptungen der Internet Infidels ist die These, dass Jesus nie existiert hat, eine Hypothese, die schon lange eine Randerscheinung bei der Recherche über das Neue Testament ist, die aber nie Unterstützung aus signifikanten Gelehrtenreihen erhalten hat. Marshall J. Gauvin schrieb in seinem Artikel „Did Jesus Christ ever live? (Hat Jesus jemals gelebt?)“ kategorisch, dass „keine Wunder passieren. Geschichten über Wunder sind unwahr. Daher sind Dokumente, in denen Berichte über Wunder vorkommen und mit vermeintlichen Tatsachen verstrickt sind, unglaubwürdig, weil diejenigen, die die Wunder erfunden haben, auch leicht den Teil, der natürlich war, erfunden haben könnten.“ Wenn jemand eine naturalistische Weltanschauung vertritt, indem er annimmt, dass Wunder unmöglich sind, dann könnte man genauso einfach versuchen, die theistische Weltanschauung zu beweisen, indem die Existenz Gottes angenommen wird. So oder so ist das Argument selbst-widerlegend.

Gauvins Inkompetenz und völliges Missverständnis der Themen wird in den weiteren Absätzen illustriert:

Zur Theorie, dass Christus gekreuzigt wurde, wie sollen wir die Tatsache erklären, dass während der ersten acht Jahrhunderte der Entwicklung des Christentums die christliche Kunst ein Lamm als Leiden am Kreuz für die Erlösung der Welt darstellte und nicht einen Mann? Weder die Gemälde in den Katakomben noch die Skulpturen auf christlichen Grabsteinen stellten eine menschliche Figur am Kreuz dar. Überall wurde ein Lamm als christliches Symbol gezeigt – ein Lamm, welches ein Kreuz trug, ein Lamm am Fuße des Kreuzes, ein Lamm am Kreuz. Manche Abbildungen zeigten ein Lamm mit einem menschlichen Kopf, Schultern und Armen, das ein Kreuz in Händen hielt – das Lamm Gottes, welches in diesem Prozess menschliche Form annimmt – der Kreuzigungsmythos wird realistisch. Am Ende des 8. Jahrhunderts ordnete Papst Hadrian I zur Bestätigung des Erlasses vom im 6. Konzil in Konstantinopel an, dass darauf folgend eine Figur eines Mannes statt dem Lamm am Kreuz zu verwenden ist. Das Christentum brauchte 800 Jahre, um ein Symbol seines leidenden Erlösers zu entwickeln. 800 Jahre lang war der Christ am Kreuz ein Lamm. Wenn Christus aber wirklich gekreuzigt wurde, warum wurde sein Platz am Kreuz so lange von einem Lamm eingenommen? In Anbetracht der Geschichte und der Vernunft und angesichts des Lamms am Kreuz, warum sollten wir an die Kreuzigung glauben?

Argumente wie diese sollten für einen Christen, selbst wenn er nur ein Basiswissen der Bibel besitzt, nicht kommentiert werden müssen. Gauvin sprach nicht einmal das Passalamm–Zeichen des Christentums an; sicherlich ist es zumindest erwähnenswert, oder?

Wir wollen auf drei Hauptpunkte, die durch den Artikel von Internet Infidels aufgeworfen wurden, eingehen. Diese sind der Mangel an weltlichen Referenzen, der Vergleich von legitimen Evangelien zu gnostischen Quellen und die mutmaßlichen Ähnlichkeiten zum Paganismus (Heidentum).

Als erstes betrachten wir die Referenz von Josephus auf Jesus. Gauvin schreibt:

In den letzten Jahren des 1. Jahrhunderts schrieb Josephus, ein zelebrierter jüdischer Historiker, seine berühmte Arbeit über „Die Antiquitäten der Juden“. In dieser Arbeit erwähnte der Historiker Christus nicht und bis 200 Jahre nach dem Tod von Josephus erschien der Name von Christus nicht in seiner Geschichte. Es gab damals keine Druckereien. Bücher wurden durch Abschriften vervielfältigt. Es war daher einfach, etwas zu ergänzen oder zu verändern, was ein Autor geschrieben hatte. Die Kirche meinte, dass Josephus aber Christus anerkennen soll und der tote Historiker wurde dazu gezwungen. Im 4. Jahrhundert erschien eine Kopie des Buchs „Die Antiquitäten der Juden“, in dem folgende Passage beinhaltet war: „Es war ungefähr zu dieser Zeit, Jesus, ein weiser Mann, wenn es denn erlaubt ist, ihn einen Menschen zu nennen, denn er vollbrachte wunderbare Werke; ein Lehrer solcher Menschen, die die Wahrheit mit Freude empfingen. Er gewann viele der Juden und viele von heidnischer Herkunft für sich. Er war der Christus; und als Pilatus ihn aufgrund des Vorschlags der führenden Männer unter uns zum Kreuz verdammt hat, haben diejenigen, die ihn zu Beginn liebten, nicht verlassen; er erschien ihnen noch einmal lebendig am dritten Tag, wie die göttlichen Propheten dies und zehntausend andere wunderbare Dinge über ihn vorhersagten; und der Stamm der Christen, so wegen ihm benannt, werden bis zu diesem Tag nicht aussterben.“ (aus englischer Version übersetzt)

Es ist wahr, dass selten in Frage gestellt wird, dass diese Passage aus Antiquitäten der Juden einige Erweiterungen beinhaltet, die durch spätere Gelehrte ergänzt wurden (eine sehr kleine Minderheit von Gelehrten glauben, dass die gesamte Passage original ist). Aber die Internet Infidels glauben an eine „völlige Erweiterung“ (totale Interpolationstheorie).

Was sind ein paar Gründe diese Passage als teilweise original anzusehen, nachdem die klaren Erweiterungen entfernt wurden? Vermutlich ist der wichtigste Faktor, der die meisten Gelehrten zu der teilweisen Interpolationstheorie führte, dass beachtliche Teile der Passage den Schreibstil und die typische Sprache von Josephus tragen. Wenn die klaren Erweiterungen entfernt werden, ist die verbleibende Kernpassage einheitlich und im Fluss zusammenhängend.

Ein erheblicher Teil dieser Referenz auf Jesus wird von der Mehrheit der Gelehrten als charakteristisch für Josephus betrachtet, und nur ein paar Sätze sind offensichtlich christlich. Darüber hinaus fehlen viele von Josephus‘ Sätzen in der frühen christlichen Literatur, und stattdessen sind Sätze und Begriffe vorhanden, die Christen vermutlich nicht verwendet hätten. Dann gibt einen Satz, den jeder christliche Schriftgelehrte als falsch erkannt hätte („Er gewann viele der Juden und viele von heidnischer Herkunft für sich.“).

Interessant ist, dass Gauvin versäumt, die anderen Referenzen über Jesus in den Schriften von Josephus zu erwähnen – deren Glaubwürdigkeit von so gut wie allen Gelehrten in Gänze akzeptiert wird:

„Aber der jüngere Ananus, der, wie wir sagten, das Hohepriestertum empfing, war von kühner Gesinnung und außergewöhnlicher Kühnheit; er folgte der Gruppe der Sadduzäer, die, wie wir bereits gezeigt haben, streng über alle Juden urteilen. Da also Ananus so veranlagt war, meinte er, er hätte nun eine gute Gelegenheit, da Festus nun tot war und Albinus noch unterwegs war; so versammelte er einen Rat von Richtern und brachte den Bruder Jesu, des sogenannten Christus, dessen Name Jakobus war, zusammen mit einigen anderen vor ihn, und nachdem er sie als Gesetzesbrecher beschuldigt hatte, übergab er sie zur Steinigung“ (aus englischer Version übersetzt).

Die Mehrheit der Gelehrten betrachtet dies aus folgenden Gründen als authentische Passage:

1. Es gibt keinen inhaltlichen Nachweis gegen diese Passage. Sie ist in jedem einzelnen Manuskript der Antiquitäten der Juden beinhaltet. Dies trifft auch auf die zuvor erwähnte Passage zu.

2. Es wird spezielle nicht-christliche Terminologie verwendet. Zum Beispiel ist die Bezeichnung für Jakobus als „Bruder von Jesus“ gegensätzlich zur christlichen Praxis, ihn „Bruder des Herrn“ zu nennen. Die Passage entspricht also weder dem Neuen Testament noch der primitiven christlichen Verwendung.

3. Die Betonung der Passage liegt nicht auf Jesus, und auch nicht auf Jakobus, sondern auf dem Hohepriester Annas. Weder Jesus noch Jakobus werden gepriesen.

4. Weder diese Passage noch der größere Zusammenhang verbindet Jesus mit Johannes dem Täufer, wie man von einer christlichen Erweiterung erwarten würde.

Gauvin argumentiert weiter:

In den Annalen von Tacitus, einem römischen Historiker, gibt es eine kurze Passage, die von „Christus” als Gründer einer Gruppe, die Christen genannt wird, spricht – eine Gruppe von Menschen, „die für ihre Verbrechen verabscheut wurden.” Diese Worte tauchen im Bericht von Tacitus zum Brand von Rom auf. Der Nachweis dieser Passage ist nicht viel stärker der für die Passage in Josephus. Sie wurde nicht von Schreibern vor dem 15. Jahrhundert zitiert; und wenn sie zitiert wurde, war es nur in einer Kopie der Annalen in der Welt; und diese Kopie wurde angeblich im 18. Jahrhundert gemacht – sechshundert Jahre nach Tacitus‘ Tod. Die Annalen wurden zwischen 115 und 117 n.Chr. publiziert, fast ein Jahrhundert nach Jesu Zeit – also würde diese Passage, auch wenn sie echt wäre, nichts über Jesus beweisen.

Das ist aber nicht der Punkt. Die Existenz von Jesus war im Palästina des 1. Jahrhunderts nicht bestritten und die negativen Referenzen auf Jesus durch Tacitus und andere erbringen einen starken Nachweis, dass Jesus zumindest als echte und bedeutende Figur im 1. Jahrhundert bekannt war. Warum haben diese negativen Kommentatoren seine Existenz nicht abgestritten? Woher erhielten sie ihre Informationen? Außerdem war das sorgfältige Nachforschen eine der berühmtesten Eigenschaften von Tacitus. Seine Zuverlässigkeit als Historiker steht dagegen, dass er sich Informationen aus unsicherer Quelle bedient hätte. Dass Tacitus seine Informationen von Christen hatte, wird durch den negativen Tons der Referenz widerlegt.

Wäre Tacitus dazu geneigt, einfach das zu wiederholen, was ihm Menschen, die er nicht mochte, sagten? Denn bei der Berichterstattung über die Geschichte und den Glauben der Juden, die er ebenso verachtete wie die Christen, scheint es aus seinen abfälligen Beschreibungen ziemlich offensichtlich, dass Tacitus nicht geneigt war, die „eigene Sicht" der Juden oder gar die der „jüdischen Informanten" zu konsultieren.

Gauvin unterlässt auch die Erwähnung anderer früher weltlicher Referenzen auf Jesus, inklusive dessen, was wir im Talmud finden und in den Schriften von Lucian, Pliny, Seutonius, Tacitus und Thallus. Aber auch wenn wir annehmen würden, dass es keine weltliche Referenz des 1. oder frühen 2. Jahrhunderts zu Jesus gäbe, hätten wir dennoch ein sehr starkes Argument für die Existenz von Jesus. Warum? Wenn die Nachfolger von Jesus sich entschieden hätten, einen mystischen Jesus zu erfinden und ihm Aussagen zuzuschreiben, in der Bemühung ihn als jemanden darzustellen, der messianische Autorität für sich beanspruchte, würden etliche Probleme auftreten. Erstens scheinen sie es komplett falsch angefangen zu haben. Wenn es ihr Ziel gewesen wäre, eine neue Religion auszulösen, wäre es ratsam gewesen, sie so aufzuziehen, dass sie den Erwartungen derer entsprechen, die sie überzeugen wollten. Das jüdische Konzept eines Messias war ein großer militärischer Anführer, der eine Eroberung gegen die römischen Unterdrücker anführt. Zweitens sind sich moderne Gelehrte einig, dass die Jünger wahrhaftig geglaubt haben, was sie verkündeten (sie waren u.a. bereit, dafür unmenschlich zu sterben, ohne von der Sache abzuweichen). Drittens hatten sie, weil die früheste christliche Verkündung nach der Auferstehung und Himmelfahrt in Jerusalem stattfand (wo Jesu‘ öffentliches Wirken stattgefunden hatte), keine Mittel, um so ein Ereignis nachzustellen oder zu fälschen. Wäre die Existenz von Jesus fingiert, würden sie sicherlich in Rom oder anderswo gepredigt haben, so weit wie möglich weg von Augenzeugen.

Man bedenke die Situation, in der sich die Jünger nach der Kreuzigung befanden. Ihr Anführer war tot. Und die Juden glaubten aus Tradition nicht an einen sterbenden und noch weniger an einen auferstehenden Messias. Tatsächlich schließt der orthodoxe jüdische Glauben im Hinblick auf das Leben danach aus, dass jemand zur Herrlichkeit und Unsterblichkeit körperlich vom Tod aufersteht vor der allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt. Rabbinische Interpretation in Bezug auf Prophezeiungen bzgl. der Auferstehung des Messias war, dass er vom Tod am Ende der Zeit aufersteht, zusammen mit allen anderen verstorbenen Heiligen. Das ist daher signifikant, dass die Jünger keine notwendige Veranlagung zur körperlichen Auferstehung hatten, weil diese gegen die Kultur ging, angesichts der bedeutenden jüdischen Mentalität. Das ist vielleicht auch der Grund, warum Johannes in seinem Bericht (Johannes 20,9) sagte: „sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste“, als sie das leere Grab entdeckten. Wenn die Jünger das alles als ein Ideal fabriziert hätten, hätten sie zweifellos im besten Fall eine spirituelle Auferstehung fingiert, weil eine physische Auferstehung schonungslosen Wiederspruch erhalten hätte, wenn der Leichnam gefunden worden wäre. Stattdessen sprachen sie von einer tatsächlichen körperlichen Auferstehung, welche – wenn sie nicht wahr wäre – ein enormes Risiko gewesen wäre, wenn der Leichnam jemals gefunden werden würde. Sie glaubten an eine wörtliche Auferstehung, weil sie selbst Zeugen davon waren. Die religiösen Anführer der Zeit wollten nichts mehr als das Christentum zu unterdrücken.

Ein weiterer Grund, warum es unwahrscheinlich ist, dass die Nachfolger von Jesus den Mythos Jesus erfunden haben, betrifft seinen Tod durch Kreuzigung. Gemäß dem jüdischen Gesetz zeigte die Exekution von Jesus durch Hängen an einem Baum, dass er buchstäblich von Gott verflucht war (5. Mose 21,23). Die Kreuzigung war ohne Zweifel eine Katastrophe für das Verständnis der frühen Kirche, weil es effektiv zeigte, dass die Pharisäer und der jüdische Rat richtig lagen und die Jünger ihre Heimat, Familien und Besitztümer zurück gelassen hatten, um einem ketzerischen Mann zu folgen, der buchstäblich von Gott verflucht war.

Was ist ein Ungläubiger (infidel)? – Irreführende Aussagen

Gemäß Gauvin:

„Es gab viele Evangelien im Umlauf in den frühen Jahrhunderten und eine große Anzahl von ihnen waren Fälschungen. Dazu zählen das „Evangelium von Paulus“, das „Evangelium von Bartholomäus“, das „Evangelium von Judas Iskariot“, das „Evangelium der Ägypter“, das Evangelium oder Erinnerungen von Petrus“, das „Orakel oder Sprüche von Christus“ und eine Menge von anderen religiösen Schriften, eine Sammlung, die man in den „Apokryphen des Neuen Testaments“ finden kann.“ Undurchsichtige Männer schrieben „Evangelien“ und verwendeten Namen von bekannten christlichen Figuren, damit sie an Wichtigkeit gewannen. Viele Arbeiten wurden mit den Namen der Apostel und sogar Christus gefälscht. Die größten christlichen Lehrer sagten, dass es eine Tugend wäre, für die Herrlichkeit des Glaubens zu lügen und betrügen. Dean Milman, ein klassischer christlicher Historiker, sagte: „Frommer Betrug wurde anerkannt und bekannt.“ Pastor Dr. Giles schreibt: „Es gibt keinen Zweifel darüber, dass eine große Anzahl an Büchern damals mit keinem anderen Hintergedanken geschrieben wurde als zu betrügen.“ Professor Robertson Smith sagt: „Es war eine riesige Masse an fadenscheiniger Literatur im Umlauf, die dazu geschrieben wurde, um den Standpunkten einer Gruppe zu entsprechen.“ Die frühe Kirche wurde mit gefälschten religiösen Schriften überschwemmt. Aus der Masse von Literatur wurden unsere Evangelien durch Priester ausgewählt und das inspirierte bzw. eingegebene Wort von Gott genannt. Waren diese Evangelien ebenfalls gefälscht? Es gibt keine Bestimmtheit, dass sie das nicht waren. Aber stellen wir die Frage anders: Wenn Christus eine historische Figur war, warum mussten dann Dokumente gefälscht werden, um seine Existenz zu beweisen? Hat schon jemals jemand Dokumente gefälscht, um die Existenz einer Person zu beweisen, von der man schon wusste, dass sie lebte? Die frühen christlichen Fälschungen sind ein großartiges Zeugnis für die Schwäche des Christentums.“

Wenn Gnostiker ihre „Evangelien“ prominenten Schlüsselfiguren des 1. Jahrhunderts, wie Petrus, Thomas und Maria Magdalena zuschrieben, könnte man annehmen, dass das den Fall gewichtig macht, da die frühe Kirche treu ihre Dokumente den richtigen Menschen zuschrieb. Warum sollte man die Evangelien zweitrangigen Menschen wie Markus und Lukas beimessen? Immerhin bestätigt die frühe Kirche bereitwillig, dass Markus viel von seinen Informationen von Petrus erhielt, warum also spricht man sie nicht einfach Petrus zu, wenn es hier um Glaubwürdigkeit geht? Davon wird in diesem Artikel nichts erwähnt. Darüber hinaus wurden die gnostischen Evangelien NICHT geschrieben, um die Existenz von Jesus zu beweisen. Die Internet Infidels zeigen absolut kein Verständnis und keine Wertschätzung für den Hintergrund des Gnostizismus, auch nicht für die relevanten Themen hinter den propagierten Dokumenten. Es gab nicht einmal eine Auseinandersetzung in der frühen Kirche hinsichtlich der Urheberschaft der vier kanonischen Evangelien. Für jeden, der auch nur grob mit der frühen Kirchengeschichte vertraut ist, ist dies kaum ein überzeugendes Argument.

Was ist ein Ungläubiger (infidel)? – Behauptung von Plagiat (Nachahmung/Kopien) von heidnischen Religionen

Eine Behauptung, die immer wieder auf der Internet Infidels Webseite auftaucht, ist der Vorwurf, dass das Christentum eine Adaption von verschiedenen heidnischen Religionen und Mythologien wäre, eine Behauptung die lange bereits von der Mehrheit der Gelehrten abgelehnt wurde. Angesichts dieser Behauptung ergibt es keinen Sinn, warum ernsthafte, monotheistische Juden, die fest in ihrer Kultur Palästinas verwurzelt waren, von fremden heidnischen „mysteriösen Religionen“ entlehnt hätten und schlussendlich bis zu ihrem Tod gegangen wären, um etwas zu verkünden, von dem sie wussten, dass es nur ein reiner Komplott war.

Dennoch schreibt James Still in The Virgin Birth and Childhood Mysteries of Christ (Die Mysterien der jungfräulichen Geburt und Kindheit von Christus):

Als die Zeit verging, konnte man sehen, dass das Königreich Gottes sich verspätete. Unter den hellenistischen Juden und den heidnischen Griechen, die über eine Bekehrung zum Christentum nachdachten, brachte diese Verspätung mehr Fragen als Antworten auf. Außerdem waren griechische Heiden, aus denen das Christentum seine Bekehrten zog und letztendlich wuchs, von Natur aus skeptisch gegenüber jedem neuen Retter und der himmlischen Belohnung, die versprochen wurden. Die Griechen mussten aus Dutzenden mysteriöser Kulte und Göttern auswählen, die aufgekommen waren, von denen ein jeder Reichtum und ewige Herrlichkeit im himmlischen Nachleben versprach. Jesus hatte den Griechen wenig anzubieten. Er war, allen Berichten nach, ein sterblicher jüdischer Messias, der nur zu den Söhnen von Abraham sprach und ihnen sagte, dass sie den Weg für den Herrn bereiten sollen, der ein neues Jerusalem, insbesondere für das gewählte Volk, bauen würde. Der markinische Jesus, der seinen Nachfolgern während des mittleren bis späten 1. Jahrhunderts bekannt war (vor den Evangelien Matthäus, Lukas und Johannes), teilte keine der altehrwürdigen und moralrettenden Eigenschaften der Gottheiten Dionysos oder Herkules. Die später ergänzte jungfräuliche Geburt von Jesus war notwendig, wenn Jesus für die Heiden der hellenistischen Welt akzeptabel gemacht werden sollte.

Aber keine der beiden Geburtsberichte bezüglich Dionysos spricht von einer jungfräulichen Geburt. Gemäß einer Legende ist Dionysos das Produkt von Zeus und Persephone. Hera wird krankhaft eifersüchtig und versucht den Neugeborenen zu zerstören, indem die Titanen geschickt werden, um ihn zu ermorden. Zeus eilt zur Rettung, aber kommt zu spät. Die Titanen aßen alles, außer Dionysos‘ Herz. Zeus nimmt das Herz und setzt es in den Leib von Semele. In der zweiten Legende schwängert Zeus eine sterbliche Frau, Semele, was Hera eifersüchtig werden ließ. Hera überzeugte Semele davon, Zeus zu bitten, ihr seine Herrlichkeit zu zeigen, weil kein Sterblicher auf Gott und das Leben blicken kann. Semele wird sofort verbrannt. Zeus nimmt dann den fötalen Dionysos und näht ihn in seinen eigenen Schenkel bis zur Geburt. Wie wir sehen können, gibt es keine jungfräuliche Geburt, aber so wird gesagt, dass Dionysos zur wiedergeborenen Gottheit wurde, da er zweimal im Leib geboren wurde.

Richard Carrier argumentiert an anderer Stelle, „Horus von Griechenland wird als tausendjähriger Herrscher beschrieben, der dann stirbt, für drei Tage beerdigt ist, am Ende über Typhon, den Bösen siegt und danach für immer zum Leben auferstand.“ Aber Carrier liegt falsch. Die einzige Verbindung, die wir zu Horus‘ Auferstehung herstellen können, ist, wenn wir den letztendlichen Zusammenschluss von Horus und Osiris beachten. Aber so eine Theorie ist voller Widersprüche, die offenbar die Ägypter bemerkten, da sie später ihren Glauben angepasst haben, um die Widersprüche auszuräumen. In einer ägyptischen Sage wird Osiris entweder durch Set in der Schlacht zerstückelt oder in einem Kasten versiegelt und im Nil versenkt. Isis stückelt dann Osiris‘ Körper wieder zusammen und erweckt Osiris wieder zum Leben, um einen Erben zu empfangen, der Osiris‘ Tod rächen wird (obwohl Osiris nie wirklich auferstanden ist, weil ihm verboten wird, in die Welt der Lebenden zurückzukehren).

Die Webseite der Infidels ist voll von solchen Fehlinformationen bzgl. der heidnischen Gottheiten und den häufigen Anschuldigungen, dass Christen dort ihr Material „entnommen“ hätten. So eine Behauptung muss erst bewiesen oder durch den kleinsten Nachweis unterstützt werden.

Was ist ein Ungläubiger (infidel)? – Schlusswort

Die Internet Infidels-Webseite ist eine reine Neuverpackung von alten Verschwörungstheorien, wie auch eklatanten Fehlinformation und Übertreibungen, von denen so gut wie alle bereits längst durch die Bibelforschung entkräftet und für ungültig erklärt wurden. Trotzdem findet auf den Seiten der Infidels weiterhin ein umfangreicher Internetverkehr statt. In der Geschichte gibt es wenig, was sicher ist, aber es gibt auch einen Grad an Skepsis, die die Aufgabe eines Historikers unmöglich macht. Darüber hinaus erfordert die These, dass die frühe Kirche von alten heidnischen Religionen kopiert hätte und dass Jesus nie existiert hat, eine selektive Skepsis darüber, welche Quellen vertrauenswürdig sind und wie andere korrekt interpretiert werden. Letztlich macht es das Christentum - wenn die Internet Infidels richtig liegen sollten in ihrer Einschätzung, dass Jesus nie gelebt hat - zu einem umso unglaublicheren Phänomen, als wenn er gelebt hätte. Wie der Psalm korrekt sagt: „Die Toren sprechen in ihrem Herzen: »Es ist kein Gott.«“ (Psalm 14,1).

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